Grundidee
Nachdem wir im letzten Jahr auf der Frankenrunde (https://gps-tour.info/183612) den Main von der Quelle bis kurz vor Ochsenfurt abgeradelt sind, wollten wir dieses Jahr den restlichen Main sehen. Daher führte uns die Route von Fürth/Bayern recht geradlinig an den Main kurz vor Ochsenfurt und dann am Fluß entlang weiter bis zur Mündung und etwas darüber hinaus bis Wiesbaden.
Die erste Tagesetappen mit 83km führte uns bis Frickenhausen am Main kurz vor Ochsenfurt, die weiteren Tagesetappen am Fluß waren 78km bis kurz vor Lohr am Main, 79km bis Miltenberg, 95km bis Frankfurt und zum Abschluss 52km bis Wiesbaden, Rückreise per Bahn.
1. Tag von Fürth nach Frickenhausen (bei Ochsenfurt), 82km
Die Radreise startete bei perfektem Wetter mit gut 20°, Sonnenschein und leichtem Rückenwind. Morgens war es noch etwas frisch und wir fuhren mit Jacke, nachmittags holten wir uns sogar leichten Sonnenbrand an den Oberarmen. Wir querten Zenn-, Aurach- und Aischtal auf Feldwegen oder sehr ruhigen Nebenstraßen, folgten dann einem Aisch-Nebenarm aufwärts. In Markt Bibart machten wir einen Schlenker durch den Ort auf der Suche nach einer Bäckerei oder Eisdiele, vergblich bis auf einen Eis-Automaten am Ortsausgang. Dafür nutzen wir den lokalen Friedhof für eine Rast - Friedhöfe haben fast immer öffentliche WCs und Trinkwasser! Außer der Talquerung Mönchsondheim alles nur leichte Anstiege und schön zu radeln, größtenteils asphaltiert oder fester Untergrund. Deutlich bergabwärts dann nach Marktbreit, auf die andere Mainseite und noch ein Stückchen nach Frickenhausen.
Das dortige Hotel "Wilma" hatte uns letztes Jahr als letztes Quartier am Main schon begeistert, so daß es für dieses Jahr als erstes Quartier schon gesetzt war. Fahrradakkus auf den Zimmern zu laden ist verboten, aber die abgesperrte, überdachte Gitterbox im Hinterhof ist mit ausreichend Steckdosen bestückt.
2. Tag von Frickenhausen nach Steinbach (Ortsteil von Lohr am Main), 76km
Auch wieder sonnig und nicht zu heiß, leichter Rückenwind, perfektes Fahrradwetter. Der Mainradweg ist sehr gut ausgebaut, breit und glatt, geradlinige Führung, nur zum Nebeneinanderfahren doch etwas zu viel Verkehr (andere Radler/Fußgänger), alles entspannt. Immer am Fluß entlang, also keine Höhenmeter, und in der Rückschau die landschaftlich schönste Strecke. Etwas Kuddelmuddel gab es in Würzburg, denn wir kamen zeitgleich mit dem Hauptfeld des Stadtmarathons in die Stadt. DIe ganzen Zuschauer waren dabei mehr mit Anfeuern als mit Rücksicht auf die Radreisenden beschäftigt. Wir querten den Main und fuhren ein Stück auf einer Parallelstraße, daß habe ich im Track herauskorrigiert. Am Ortsausgang radelten wir sogar ein Stück auf der Laufstrecke, mit angepasster Geschwindigkeit kein Problem. In Karlsstadt wieder Seitenwechsel, dort führt der Mainradweg mitten durch die schöne historische Innenstadt mit Eisdiele gleich nach dem Rathausplatz. In Gemünden mußten wir etwas schauen, wie man die einmündende fränkische Saale quert und danach den Main, aber die Radweg-Ausschilderung nach Lohr am Main war gut. Explizite "Mainradweg"-Schilder haben wir insgesamt wenig gesehen, doch mit etwas Orientierung, welche Städte als nächstes am Main folgen, war es auch ohne Kartenstudium kein Problem, mit der weiß-grünen Radfernwegausschilderung dem Weg immer dem Fluß entlang zu folgen.
In Steinbach kurz vor Lohr am Main hatten wir in der Bikelodge reserviert, die zwar ein paar 100m abseits vom Fluß liegt, aber nur wenige Meter höher. Neben überdachten Stellplätzen im Hof gibt es auch eine explizite Fahrradgarage mit Steckdosen und Grund-Werkzeug, die nachts abgesperrt wird. Das Restaurant im Haus bietet nur eine kleine Auswahl, aber man braucht nicht die 5km nach Lohr zum Abendessen.
3. Tag von Steinbach nach Miltenberg, 79km
Vormittags bewölkt und windig. Laut Wetterbericht sollte der Wind dabei im Tagesverlauf genau so drehen, daß er uns immer entgegen bläst. Weiterhin überhaupt kein Problem, der Radfernweg-Ausschilderung am Main entlang zu folgen. Allerdings gab es gefühlt wesentlich häufiger 90°-Kurven, die einen senkrecht zum Fluß näher ans Wasser oder weiter weg führten. Da meine Frau Kurven nicht gerne sportlich-zügig fährt, bremste das unschönerweise den Radel-Flow. Etwas sehr ruhige Landstraße ist dabei und ein Teil auf abgetrenntem Radweg neben der Straße. In Hofgarten kann man nicht direkt am Main fahren, sondern wird durch den Ort geführt, bevor es dann etwas merkwürdig geführt/beschildert über die Brücke hinüber nach Kreuzwertheim geht - wir haben direkt den Gehweg auf der linken Straßenseite genutzt. Vor Faulbach geht es an einen riesigen Autohändlerparkplatz vorbei - auf Google Maps Satelitenbild sehr eindrucksvoll. In Freudenberg-Kirschfurth geht es zurück auf die südliche Mainseite. Einen ersten Regenschauer hatten wir am Regenradar rechtzeitig erkannt und eine Bäckerei aufgesucht. Nachmittags aber hatten wir keine Chance und kamen in sehr kräftigen Regen, der uns bis auf die Haut durchnässte.
Im Hotel "Brauerei Keller" in Miltenberg gibt es zwar leider keine Brauerei mehr, aber eine Hotelgarage mit Fahrradständer und Steckdosen für die Drahtesel, eine heiße Dusche für uns - und einen Fön für die durchnässten Klamotten.
Miltenberg ist ein nettes historisches Städtchen zum Durchspazieren, auffällig waren viele asiatische Touristen von den Flußkreuzfahrtschiffen.
4. Tag von Miltenberg nach Frankfurt, 95km
DIe längste Etappe hatte sich so ergeben, weil an den Vortagen die gefundenen Quartiere kürze Tages-Kilometer ergaben, wir aber unbedingt abends durch Frankfurt schlendern wollten. Von Regen blieben wir verschont, aber der Wind war kalt und in Böen stürmisch, glücklicherweise nur teilweise von vorne. Heute weniger Geschlängel, es lief gut, manchmal nicht direkt am Fluß, aber immer im Flußtal. Nur wenige Stückchen mal auf Straßen, aber keine Probleme mit Autoverkehr. Nach Miltenberg für ein kurzes Stück Wechsel auf die nördliche Flußseite, ab Klingenberg wieder auf die Südseite. Dann ein kurzer Schreck: der Radweg endet und der Wegweiser schickt uns die Bundesstraße entlang? Doch Fehlalarm, die Bundesstraße ist zur vierspurigen Autostraße ausgebaut, die Wegführung erfolgt auf der alten Bundesstraße, die nur noch von Fahrrädern und Mofas genutzt wird. Bis hinter Obernburg fuhren wir parallel zur Bundesstraße, aber mit ausreichend Abstand, so daß Lärm und Fahrtwind nicht störten. In Großwallstadt und Niedernberg ging es durch den Ort, aber nur ruhige Wohngebiete. In Aschaffenberg nutzen wir den erneuten Wechsel auf die nördliche Mainseite zu einem Abstecher in die Altstadt - genau, zum Bäckereibesuch. War nicht ganz so leicht, wieder zum Fluß herunterzukommen und am Ortsausgang ist nur minimaler Platz zwischen Fluß und Pompejanumfelsen - mit Dreirad-Lastenrad würde das schwierig. Vor Dettingen wieder ein Seitenwechsel, dann folgten wir vielen Mainschleifen bis nach Offenbach. Dort die Ausschilderung beachten und über den Hafenplatz fahren, nicht am Fluß entlang bleiben und in die Sackgasse Hafeninsel geraten. Weiter nach Frankfurt rein ging es autofrei auf einem breiten Radweg am Fluß entlang, wir mußten sogar schauen, wo wir auf die höher gelegene Straße kamen, um die Brücke zu erreichen.
Unser Hotel "Schopenhauer Hof" lag direkt an einer Brücke auf der anderen Flußseite, mit dem PKW-Aufzug konnten wir auch die Fahrräder ins zweite Untergeschoß bringen. Dort gab es zwar einen Fahrradständer, allerdings ohne Steckdosen. Ein Hoch auf den herausnehmbaren Fahrrad-Akku, um ihn im Zimmer zu laden - die Frau hatte noch 1km Restreichweiten-Anzeige.
5. Tag von Frankfurt nach Wiesbaden, 52km
Weil wir nach Regenradar eventuell nass werden würden, haben wir extra spät ausgecheckt, um nicht potentiell durchnässt auf den Check-In warten zu müssen. Allerdings blieb es bis Mainz bei minimalem Niesel. Der Wind war jedoch weiterhin unangenehm kalt. Trotz des Ballungsraums führte der Radweg überwiegend durchs Grüne, um den Industriepark Höchst wurden wir südlich herumgeführt. In Okriftel führt der Weg ein paar 100 Meter entlang der Hauptstraße, nicht so schön, aber okay. Man hätte auch etwas nördlich auf einer Parallelstraße durchs Wohngebiet fahren können, das haben wir aber nicht gesehen. Ab Eddersheim führte der Weg auf einem Deich entlang, mit dem starken Wind fast schon Nordsee-Feeling. Gegen Mittag erreichten wir die Mündung des Mains in den Rhein, der Radweg führt hier direkt am Fluß entlang und der Fluß-Kilometer "Null" ist deutlich sichtbar auf einem Felsen markiert. Der Rhein ist deutlich breiter als der Main, die Fahrt über die Brücke hinüber nach Mainz zog sich. In der Altstadt von Mainz auffallend wenig Radwege und keinerlei Fahrradständer - ein Kontrast zu Frankfurt am Vorabend. Wir saßen trotzdem rechtzeitig zum mittäglichen Regenschauer im warmen Dom-Café. Anschließend zurück über den Rhein und weiter nach Wiesbaden. Den Wechsel der Stadt und auch des Bundeslandes haben wir gar nicht bemerkt, es ist alles zusammengewachsen. Der Weg nach Wiesbaden hinein war offiziell als kombinierter Fuß- und Radweg ausgeschildert, auch als Fernradweg - aber es wirkte wie ein Fußweg an einem Autobahnzubringer. Meine Frau hatte durchaus Sorgen, ob wir nicht auf der Autobahn landen. Auch danach entlang der haupteinfallstraße war nicht so angenehm, vorallem mußten wir an jeder Ampel warten.
Doch wir kamen unbeschädigt nach Wiesbaden hinein zum Hotel "Best Western". Dort kann man in die Tiefgarage hineinradeln, es sind 4 Parkplätze durch stabilem Zaun abgesperrt. In diese Fahrradbox kommt man nur mit dafür freigeschalteten Zimmerkarten, innen sind Steckdosen, Grund-Werkzeug und ein Kompressor zum Reifen-Auffüllen (alles ohne Aufpreis) - sehr lobenswert! DIe verbleibenden 1,5km bis in die Altstadt konnte wir laufen.
6. Tag Rückreise Wiesbaden nach Fürth per Regionalbahn
Weil man in IC/ICE nur wenige Fahrräder mitnehmen kann und für den exakten Zug reservieren muß, hatten wir uns für Regionalbahn entschieden. Da gibt es mehr Stellplätze, man muß nicht für einen exakten Zug reservieren, und trotz Feiertag fuhren alle Verbindungen stündlich.
In der DB-Next-App kann man zwar Fahrkarten kaufen und auch Verbindungen mit Fahrradmitnahme raussuchen - Fahrradtickets kaufen habe ich aber weder dort noch per Handy über die Webseite geschafft. Zum Glück klappte es dann am Automaten am Bahnhof, für 7,50€ pro Rad ein deutschlandweit gültiges Tagesticket zu kaufen.
Doch die Bahn ist kreativ mit Problemen: auf der ersten Etappe wurde spontan in Darmstadt unsere Zughälfte abgekoppelt, den Anschlußzug in Aschaffenburg verpassten wir um eine Minute, der Folgezug war gut gefüllt und wir mußten im Eingangsbereich stehen bis Würzburg. Immerhin stand dort der Anschlußzug nach Nürnberg schon bereit, war nicht überfüllt und nahezu pünktlich in Fürth.
Technik
Die Route wurde bis Frickenhausen mit https://bikerouter.de geplant, am Main selbst folgten wir dem Mainradweg. Die gpx-Datein für alle Etappen wurden sowohl am Smartphone in OSMand importiert als auch in einen Garmin Oregon 450 eingespielt, zur dauerhaften Anzeige während der Fahrt.
Meine Frau fährt ein normales City-eBike (Centurion E-Fire City), ich ein Tourenrad ohne Motor (Stevens C12 light mit Pinion-Schaltung). Die Strecke war weitestgehend asphaltiert und fahrtechnisch anspruchslos, abgesehen von der Streckenlänge. Am Main selten mehr als 5-10 Höhenmeter bergauf, sonst nur leichtes Gefälle.
Der gpx-Track zu dieser Route wurde mit einer Smartwatch und zur Sicherheit mit dem Garmin Oregon aufgezeichnet und am Rechner mit GPS Prune aufbereitet. Die Weg-Abweichungen in Würzburg und zwei Baustellen-Umleitungen habe ich rausgelöscht, den Startpunkt zum Fürther Hauptbahnhof verschoben. Den Schlenker in die Mainzer Innenstadt habe ich dringelassen, natürlich kann man den auch abkürzen.
Ich bekomme keine Vergütung für die Nennung der Hotels, aber nenne sie, weil ich sie für Fahrradtouristen für geeignet halte.
Weitere Informationen unter
https://www.mainradweg.com/Tour Galerie
Tour Karte und Höhenprofil
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