Die Rossfeldpanoramastraße wird vom Tourismusverband als Rennradstrecke vorgeschlagen. Dies wohl deshalb, weil die gesamte Strecke asphaltiert ist. Für Mountainbiker ist die Strecke eher nicht fordernd, da die Bodenbeschaffenheit sehr komfortabel ist. Also wäre Gravelbike oder Tourenbike das richtige Gerät. In Zeiten der Elektrifizierung haben Mountainbikes auf der Rossfeldtour durchaus aber auch ihre Berechtigung. Fraglich ist ob es unbedingt zur Hauptferienzeit sein muss, wenn Motorradpulks zu Hunderten und starker Pkw- und Wohnmobilverkehr zu erwarten ist. Nicht so bei unserer Tour am 26.08.26, als die Wetterprognosen zwar gut, der Himmel aber noch nichts davon gehört zu haben schien. Es war ein graues Wolkengemisch über Berchtesgaden, in Oberau fing es leicht an zu tröpfeln und dementsprechend waren die vorgenannten Wetterverhältnisse nicht eingetreten, der vermutete starke Ausflugsverkehr war ausgeblieben. Großteils waren wir alleine mit unseren E-Bikes auf der Strecke.
Wir starteten bei Freunden am Heidenbichl, wo wir auch die Autos abstellen konnten. Der beste Start ist der große kostenlose Parkplatz an der Watzmanntherme und von hier startet man die Tour in Richtung Unterau-Oberau. Wir fädelten nach Heidenbichl, beim Gasthof Laroswacht, in die Auffahrtsstraße zum Rossfeld ein. Bis zur Mautstelle zieht sich die Straße in mäßiger Steigung so dahin. An der Mautstelle eine ganz enge, etwa Lenkerbreite "Durchfahrt" für Radfahrer. Will man damit ein unkontrolliertes Durchfahren verhindern? Bis dahin hat man schon ca. 600 Höhenmeter geschafft.
Danach sind alle hundert Meter die Höhenangaben an der Straße von den Schildern abzulesen. Man erreicht bald freies Gelände und die Aussichten auf den Untersberg sind grandios. Der Sonnenschein war nun auch hinter den Wolken hervorgekommen. Dann erreicht man die Roßfeldalm (1450m) und nach ein paar weiteren Kehren den Parklatz Roßfeld. Hier lohnt ein kurzer Seitentripp in den Panoramaweg mit den schönen Talblicken und rundherum. Ein Gedenkkreuz (1537m) für die Kriegsgefallenen ist der dominante Punkt an dieser Stelle. Es ist Weidegebiet und die gehörnten Kühe sind mit Vorsicht zu beachten. Am Parkplatz ein Kiosk mit allerhand Souvenierkram und kleinem Speisenangebot zu stolzen Preisen.
Wir hatten hier ein besonderes Erlebnis: Zwei schwere Motorradfahrerer, je mit ebenso schweren Motorrädern und einer weniger schweren Beifahrerin wollten ihre Motorräder am schrägverlaufenden Untergrund abstellen. Offensichtlich wurde die Schrägheit falsch eingeschätzt und beide Gefährte stürzten nach rechts ab. Die Fahrer und Beifahrerinnen stürzten mit den Maschinen im Zeitlupentempo um und krachten mit den Helmen sehr hart auf dem Boden auf. Die Beine, insbesondere der Beifahrerinnen, wurden unter den schweren Maschinen eingeklemmt. Wir halfen zu viert die schweren Maschinen aufzurichten. Offensichtlich hatten die Leute Glück und konnten aufstehen. Es kamen einige weitere Helfer und leisteten Beistand, so konnten wir beruhigt weiterfahren.
Wir fuhren weiter aufwärts und gingen am Parkplatz Hennerköpfl zum Gipfelkreuz (1551m) und genossen die Aussicht auf den Hohen Göll und hinüber zum Kehlsteinhaus und dem vorgelagerten Purtschellerhaus am Fuße des Hohen Göll. Nach diesem zweiten "Seitensprung" fuhren wir auf der Rundstraße weiter bis zum Parkplatz Ahornbüchsenkopf. Hier deponierten wir die Räder und stiegen zum höchsten Punkt der Tour auf. Die Hikestrecke ist nur wenige Höhenmeter bis zum Gipfel mit einem schönen Gipfelkreuz (1604m) und einer prima Sitzbankgruppe mit Tisch. Hier ist man gänzlich alleine in ruhiger Lage und kann den herrlichen Rundumblick ohne Motorenlärm genießen. Der Aufstieg geht direkt neben der Straße sofort bergauf. Wir gingen zunächst am Bergrücken entlang und erst später aufwärts, was eher falsch war. Besser gleich am Einstieg links rauf. Zurück gingen wir, über ein kleines Gatter steigend, hinab zu einer biblischen Gedenktafel (knieender Hl. Franziskus mit weisen Worten umrahmt) und über die Viehweide zurück zum Raddepot.
Nun fuhren wir ab, am Ahornkaser vorbei und in Nähe der Enzianhütte sieht man auf der linken Seite den Einstieg der Bergtour zum Eckersattel und zum Purtschellerhaus. Hier ist mit Autoverkehr und Tourismusgewusel zu rechnen. Vorsicht bei der Abfahrt. Wir fuhren weiter abwärts über die Mautstelle Süd zum Obersalzbergtrubel. Die Mautstelle Süd hat ebenfalls für Radler eine Überraschung parat: Man muss absteigen und die Räder in Pfeilrichtung wohl unter einem Rohrgebilde durchschieben. Anscheinend stellten wir uns zu dumm an und die Schranke wurde für uns geöffnet.
Am Obersalzberg angekommen fuhren wir in einen Kreisel ein und dann in die Scharitzkehlstraße/Hinterbrand raus. Mehrere Kilometer fuhren wir diese Straße entlang. Links sah man dann die Scharitzkehlalm und rechts weitere Einkehrmöglichkeiten wie z.B. den Windbeutelbaron. Auf Höhe der Sommerrodelbahn wäre rechtsseitig der Einstieg zu dem Ausflugslokal mit Panoramablick, dem Hochlenzer mit seinen sagenhaft großen Eisbechern usw., wenn dieser nicht am Mittwoch Ruhetag hätte. So fuhren wir bis zur Abfahrt steil ab zum Lenz-Hof (Privatstraße ohne Verbot) und danach links über einen Wanderweg mit hohen Regenabweisrinnen (Vorsicht) und gelangten dann wieder auf die Asphaltstraße von Hinterbrand kommend nach Vorderbrand den Faselsberg hinunter nach Berchtesgaden. Direkt an der Watzmanntherme (Parkplätze) vorbei ging es schön an der Königsseer Ache entlang und auf Höhe des Bergwerks wieder hinüber Richtung Heidenbichl wo wir die Tour beendeten.
Resümee: Die Panoramastraße am Rossfeld ist immer wieder eine Fahrt wert. Nimmt man die lange Anfahrt vom Tal weg und beginnt die Tour z.B. in Oberau, dann wäre diese Tour zurück über die Mautstelle Süd eine kleine Sprintrunde, die auszuprobieren wert wäre.
Tour Galerie
Tour Karte und Höhenprofil
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